Johannes 2,13
Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Ochsen– und Schaf– und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! Seine Jünger gedachten daran, daß geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.«
Warum lassen die religiösen Führer es zu, dass im Tempel solche Händler sind? Wie kann es sein, dass das Heiligtum derart entehrt wird?
Die Vier Passahfeste
Der erste, als er 12 Jahre Alt war und es seinen Eltern erst auf der Heimreise aufgefallen ist, dass er nicht bei der Reisegruppe dabei ist. Wie war die Reaktion von Maria und Joseph, als sie ihn im Tempel fanden? „Warum hast Du uns das angetan? Mit Schmerzen haben wir Dich gesucht“. Rein erziehungspädagogisch wäre das mal eine spannende Stelle zum unter die Lupe nehmen.
Das zweite mal das Jesus zum Passah nach Jerusalem kommt sehen wir hier in dieser Stelle – direkt nach dem Wunder zu Kanaan, wo er Wasser zu Wein machte. Dieses Wunder wurde nur von einer kleinen Gruppe gesehen. Ich geh mal davon aus, dass nicht die ganze Hochzeitsgesellschafft das mitbekommen hat, da die Schmach für den Bräutigam evtl. doch recht groß gewesen wäre.
Bei der Wüstenwanderung murrt das Volk, das es Durst hat…und Gott lässt Wasser aus dem Felsen fliessen…hier nun bekommt das Wasser eine qualitative Wertsteigerung. Gott ist nichts unmöglich. Er ist der einzige bei dem es immer ein höher, schneller, weiter gibt. Danach haben wir hier die Tempelreinigung und die Aussage, dass er den Tempel in drei Tagen aufbaut, wofür er ausgelacht wird. Nur einer, Nikodemus, kommt des nachts heimlich zu Jesus um sich mit ihm ganz sachlich zu unterreden. Und die erste Antwort von Jesus „Wahrlich, wahrlich, ich sage Dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh. 3,3)
Das dritte mal das Jesus zu diesem Fest nach Jerusalem zog ist auch eingebettet in ein Wunder, dass einen Rückblick auf die Wüstenwanderung gibt. In Joh 6,4 heisst es das Passah war nahe, das Fest der Juden. Hier lohnt es sich mal darüber nachzudenken, dass wenn Eure Bibel von Juden spricht, wen meint sie da eigentlich?! Das Wunder das wir hier erleben ist die Speisung der 5000. Hat nicht Gott während der Wüstenwanderung sein Volk mit Manna versorgt? Hier nun gibt es wieder eine Steigerung – das übriggebliebene wurde eingesammelt. Das war nun nach der eher „internen“ Wasser zu Wein – Aktion mal ein richtig öffentliches Wunder. So sehr das die Menge ihn in Vers 15 gleich zum König machen wollte. Aber dafür war es noch zu früh…es musste noch ein Jahr vergehen bis zum nächsten Passah, als Jesus zum …
…vierten mal in Joh 12,12 als erwarteter Messias in Jerusalem auf dem Eselsfohlen einzieht. Und wenn wir in der Johannes – Chronologie bleiben, dann war das Wunder direkt davor, die Auferweckung des Lazarus. In diesem Zusammenhang steht dann das Zitat von Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das?“ Joh 11,26
…und nach dem Einzug hat er erstmal die Kehrwoche im Tempel gemacht.
Wir sehen also, das Jesus nachdem er seinen öffentlichen Dienst begonnen hat am Anfang und am Ende den Tempel gereinigt hat. Johannes spricht von der ersten Reinigung, die anderen drei Schreiber, die Synoptiker von der zweiten.
Übrigens gibt es ja viele jüdische Feste und Feiertage, aber das ganze Neue Testament spricht nur von zweien…dem Passah, als dem ersten Fest im jüdischen Kalender und von Sukkot, dem Laubhüttenfest, als dem letzten.
Die zwei Tempelreinigungen
Es ist sozusagen „Erlösung to go“ oder ein „Salvation DriveThrough“
Robby
In beiden Tempelreinigungen ist von Tieren und Wechslern die Rede. Schauen wir uns zuerst die Wechsler an. Was machten die? Steht in der Thora, dass man Geld zum Tempel bringen soll? Konnte man bei den Wechslern Schein ein Münzen wechseln – aus welchen sparsamen Gründen auch immer.
Nein, der Grund war, dass es damals – genau wie heute – viele verschiedene Währungen – Denare, Drachme, Rupien – mit Bildern fremder Götter und Könige gab, für die Tempelsteuer sollte aber ein halber Schekel bezahlt werden. Und schon war die Geschäftsidee geboren, eine Wechselstube zu eröffnen….so weit so gut – und besonders im vergleich zu den anderen Händlern vielleicht sogar OK, wenn nicht auch hier einfach die Sucht nach mehr Gewinn die Wechselkurse wahrscheinlich in die Höhe trieb.
Die Tempelsteuer diente letztlich zu Instandhaltung des Tempels und der Unterstützung der Priester. Und war ein halber Schekel (2. Mose 30,11). Hier war es aber ein Hebopfer zum Bau der Stiftshütte…und nicht eine immer wiederkehrende Ausgabe. Sie war auch unabhängig vom Einkommen…ein fester Satz von einem halben Schekel.
In Maleachi 3 ist dann schon „…vom ganzen Zehnten“ die Rede, der dann ja relativ zum Einkommen ist. Es fällt auf, dass wenn wir die Opfer anschauen, die Gott im Rahmen der Stiftshütte einsetzt, keines dabei ist, bei dem es um Geld geht – außer dem ersten Hebopfer für den Bau Stiftshütte.
Wichtiger sind mir heute aber die Tiere, die Jesus zum Tempel hinaustreibt. Der entscheidende Unterschied zwischen diesen Tieren und denen die das Volk in der Stiftshütte dargebracht hat, ist die fehlende Beziehung.
Wer in der Wüste mit meinem Schaf in die Stiftshütte kommt, dann war es sehr wahrscheinlich, dass derjenige dieses Schaf zur Welt gebracht hat, es genährt und geführt, ggf. verarztet habe. Er hatte eine Beziehung zu diesem Tier.
Anders bei den Tieren im Tempel. Hier sucht der Opfernde ein Schaf aus, Hand drauf, Kehle durch, verbrannt – fertig. Erkennt Ihr den Unterschied?
Es ist sozusagen „Erlösung to go“, „Salvation DriveIn“…und hier kommen wir zum Abschluss auf den Punkt, das Jesus bei der ersten Tempelreinigung sagt „ Ihr macht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus“, bei der zweiten sagt er „Das Haus meines Vaters soll ein Bethaus sein und Ihr macht es zu einer Räuberhöhle“.
Kaufhaus? Räuberhöhle? Was wird denn geraubt?
Kaufhaus kommt als Wort nur einmal in der Bibel vor und Räuberhöhle ist im Kern auch eine Steigerung davon.
Aber was wird denn geraubt? Die Beziehung – und das ist das Fatale. Dem Unwissenden wird hier seine Beziehung zum Opfer geraubt. Unser Opfer ist Jesus…lasst uns nicht durch Unwissenheit unsere Beziehung zum ihm rauben.
Zum Weiterlesen
Kaufhaus – Räuberhöhle – Bethaus sind Worte, die Jesus nicht einfach so gewählt hat. Man kann sich die Situation sehr emotional vorstellen, aber sie wurde hunderte Jahre zuvor bereits in den Propheten angekündigt.
Dazu eignen sich u.a. folgende Bibelstellen:
- Jesaja 56 1-7
- Jeremia 7 1-11
- Maleachi 3,1
Seine Jünger gedachten daran, daß geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.« findet man in Psalm 69, 10
Der zweite Teil des zehnten Verses wird von Paulus in Römer 15,3 zitiert. In diesem Kontext geht es um das Miteinander – als auch um Beziehungen.
Sehr empfehlenswert zum nachstudieren.